Was das KGV misst

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV, englisch P/E) setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie. Ein KGV von 20 bedeutet: Für jeden Euro Jahresgewinn zahlst du 20 Euro Kaufpreis. Anders ausgedrückt: Bei gleichbleibendem Gewinn bräuchtest du 20 Jahre, bis sich der Kaufpreis aus den Gewinnen amortisiert hat.

Das macht das KGV zur meistzitierten Bewertungskennzahl überhaupt — verständlich, schnell berechnet, für fast jede Aktie verfügbar.

Die Grenze des KGV

Das KGV ignoriert zwei wichtige Dinge: Schulden und Wachstum.

Zwei Unternehmen mit identischem KGV können völlig unterschiedlich bewertet sein, wenn eines hoch verschuldet ist und das andere schuldenfrei — EV/EBITDA schließt diese Lücke, weil es die Nettoverschuldung mit einbezieht. Und ein KGV von 30 ist für ein Unternehmen, das seinen Gewinn jährlich verdoppelt, günstig — für ein stagnierendes Unternehmen ist es teuer. Genau das misst die PEG-Ratio, die das KGV ins Verhältnis zum Gewinnwachstum setzt.

Wie Verdiq das KGV einsetzt

Verdiq bewertet den Kehrwert des KGV: die Earnings Yield (100 / KGV). Der Vorteil ist rechnerisch: Ein KGV kann bei negativem Gewinn negativ oder undefiniert werden, was Vergleiche und Normierung verzerrt. Die Earnings Yield bleibt in diesem Fall einfach niedrig — ein Verlustunternehmen bekommt so korrekt einen schwachen Wert, statt ein rechnerisches Artefakt zu erzeugen.

Die Earnings Yield ist einer von drei gleichgewichteten Bausteinen der Value-Säule, neben FCF-Yield (Free Cashflow im Verhältnis zur Marktkapitalisierung) und EV/EBITDA-Yield. Die Value-Säule macht im Standard-Regime 30% des Gesamtscores aus — moduliert je nach CAPE-Marktregime: Bei einem stark überhitzten Markt (CAPE > 35) steigt ihr Gewicht, bei einem günstigen Markt sinkt es zugunsten von Momentum.

Warum die Einordnung zählt

Ein niedriges KGV kann eine echte Chance signalisieren oder zurecht eine sinkende Geschäftsentwicklung einpreisen (“Value Trap”). Deshalb wird die Earnings Yield stets gegen Free Cashflow und Verschuldung gegengeprüft — und ob eine niedrige Bewertung Chance oder Warnung ist, entscheidet am Ende die Debatte zwischen Analyst und Skeptiker.