Das Problem der Knappheit
Ein Portfolio hat Kapazität. Im EXTREM_TEUER-Regime sind das 3 bis 5 Positionen — nicht mehr. Wenn alle Slots belegt sind und ein neuer Titel KAUFEN erhält, entsteht ein echtes Problem: Woher kommt der Platz?
Die naheliegende Antwort wäre: Man kauft trotzdem. Oder man verkauft die schwächste Position automatisch. Verdiq macht keines von beidem.
Stattdessen gibt es das Tournament.
Was das Tournament ist
Das Tournament ist ein strukturierter Vergleich zwischen einem Kandidaten und der schwächsten bestehenden Portfolio-Position. Nicht eine Meinung gegen eine andere — sondern ein geregeltes Duell mit drei Schritten, drei Modellen und einer Entscheidung: SWAP oder HALTEN.
Kein Kandidat kommt ins voll belegte Depot ohne diesen Vergleich zu gewinnen.
Schritt 1: Der Vorfilter
Bevor ein Duell stattfindet, prüft das System einen einzigen Wert: den Score-Vorsprung des Kandidaten.
Liegt der Vorsprung unter 15 Punkten, findet kein Duell statt. Die bestehende Position bleibt.
Das ist kein technisches Detail — es ist eine Designentscheidung. Ein marginaler Vorteil rechtfertigt keine Transaktion. Transaktionskosten, Steuerbelastung, Unsicherheit: das alles kostet. Ein Kandidat der nur knapp besser ist, wird nach Kosten schlechter sein. Der Vorfilter verhindert aktionismus aus minimalen Unterschieden.
Schritt 2: Das Duell
Passiert der Kandidat den Vorfilter, beginnt das eigentliche Duell — drei LLM-Calls in Folge.
Claude übernimmt den Bull-Case für den Kandidaten: Warum sollte dieser Titel die bestehende Position ersetzen? Bessere Renditeaussicht, stärkeres CRV, überzeugendere Fundamentaldaten.
GPT-4o verteidigt die bestehende Position: Warum sollte sie bleiben? Bewährte Thesis, Hold-Bias, steuerliche Kosten eines Verkaufs, Risiko des Wechsels.
Claude urteilt — ohne zu wissen welches Modell welches Argument eingebracht hat. Die Entscheidung lautet SWAP, TEILWEISE oder HALTEN.
Drei Modelle. Keine Einigkeit erzwungen. Das Urteil folgt dem besseren Argument, nicht dem lauteren.
Schritt 3: Die Steuer
Das Duell allein reicht nicht. Vor jedem Swap berechnet das System, was der Verkauf der Altposition tatsächlich kostet.
Deutsche Abgeltungssteuer auf Kursgewinne: 26,375%. Bei einer Position mit 50% Kursgewinn bedeutet das: Rund 13% des Positionswerts gehen an den Staat — bevor der neue Kandidat auch nur eine Aktie abgeliefert hat. Der Kandidat muss diesen Verlust durch bessere zukünftige Rendite überkompensieren.
Das System verlangt deshalb: Der Kandidat muss ein CRV aufweisen das mindestens das 1,5-Fache der Altposition erreicht — plus 0,5 Aufschlag wenn die Altposition mehr als 50% im Plus liegt. Eine Position die gut gelaufen ist, wird damit automatisch schwerer zu ersetzen.
Das ist keine Willkür. Das ist korrekte Mathematik.
Warum HALTEN der Standard ist
Das Tournament ist mit einem eingebauten Bias konstruiert: HALTEN gewinnt im Zweifel.
Wer in einem regelbasierten System zu schnell rotiert, zahlt immer: Transaktionskosten, Steuern, den Spread, das Risiko falsch eingeschätzter Kandidaten. Die Forschung zu aktiv gemanagten Fonds zeigt konsistent, dass hohe Umschlagsraten die Performance drücken — unabhängig von der Qualität der Einzelentscheidungen.
Verdiq swappt nicht weil ein neuer Titel aufgetaucht ist. Es swappt wenn drei Bedingungen erfüllt sind: Der Kandidat ist deutlich besser (15 Punkte Score-Vorsprung), er hat ein klares CRV-Übergewicht, und das Duell ergibt eindeutig SWAP.
Sind diese drei Bedingungen nicht gleichzeitig erfüllt, bleibt der Altbestand.
Wann eine Position überhaupt angreifbar ist
Nicht jede Position im Depot nimmt am Tournament teil. Eine bestehende Position ist nur dann herausforderbar wenn zwei Bedingungen gelten: Sie ist mindestens sechs Monate im Portfolio, und ihre aktuelle Renditeerwartung liegt unter der Regime-Schwelle.
Positionen die ihre Thesis noch intakt haben und weniger als sechs Monate alt sind, sind geschützt. Der Grund: Sechs Monate sind der Mindestraum den eine Investment-Thesis braucht um sich zu entfalten. Wer nach drei Monaten rotiert weil ein besserer Kandidat aufgetaucht ist, handelt Momentum — nicht Fundamentalanalyse.
Das System lässt das nicht zu.
Was das Tournament nicht ist
Das Tournament ist kein Ranking-Algorithmus der automatisch den besten Titel wählt. Es ist kein Optimierungsverfahren das ein Portfolio kontinuierlich verbessert.
Es ist ein Mechanismus um eine konkrete Frage zu beantworten: Ist dieser spezifische neue Kandidat gut genug um diese spezifische bestehende Position zu ersetzen — nach allen Kosten, mit vollem Hold-Bias, unter dem Urteil dreier unabhängiger Modelle?
Meistens lautet die Antwort: Nein.
Das ist keine Systemschwäche. Das ist das System das funktioniert.