Warum überhaupt ein konzentriertes Portfolio?

Ein MSCI World ETF hält 1.320 Positionen und liefert die Marktrendite — automatisch, kostengünstig, ohne Aufwand. Wer mit einem konzentrierten Portfolio von 5–10 Titeln mehr Risiko eingeht, muss dafür auch deutlich mehr Rendite erwarten. Sonst ist das ETF die ehrlichere Wahl.

Verdiq setzt deshalb für jeden Kaufkandidaten eine Mindestrenditeerwartung, die über der historisch zu erwartenden Marktrendite liegt. Diese Schwelle ist nicht konstant — sie hängt vom Marktregime ab.

Wie viele Positionen in welchem Regime?

Verdiq richtet die Portfoliogröße nach dem Shiller-CAPE-Ratio des S&P 500. Je teurer der Markt, desto weniger Positionen — und desto höher die Anforderungen an jeden einzelnen Titel.

CAPERegimePositionenCRV-SchwelleMin. Rendite 12MMSCI World historisch
< 15Crash7–10≥ 1.225%~10–15% p.a.
15–20Günstig6–8≥ 1.520%~7–10% p.a.
20–27Normal5–7≥ 1.518%~4–7% p.a.
27–35Erhöht4–6≥ 2.015%~2–4% p.a.
35–38Teuer3–5≥ 2.213%~1–3% p.a.
> 38Extrem teuer3–5≥ 2.512%~0–2% p.a.

Die MSCI World-Werte sind historische Folgerenditen auf 10-Jahreshorizont bei dem jeweiligen CAPE-Niveau — basierend auf Shillers Forschung. Sie sind keine Garantie, aber die beste verfügbare Schätzung.

Warum sinkt die Mindestrendite im teuren Markt?

Das klingt kontraintuitiv: Im teuersten Regime fordert Verdiq mit 12% die niedrigste Mindestrendite. Der Grund ist Realismus.

Bei CAPE über 35 ist der Markt so hoch bewertet, dass kaum ein Titel noch 20%+ Upside liefern kann ohne gleichzeitig extremes Risiko zu tragen. Ab TEUER (35–38) liegt die Mindestrendite bei 13%, ab EXTREM_TEUER (über 38) bei 12%. Das ist kein Absenken der Ansprüche — es ist die Untergrenze dessen, was einen Einzeltitel gegenüber dem ETF noch rechtfertigt. Der MSCI World liefert in diesem Regime historisch nahe null. Wer 12% fordert, verlangt damit immer noch das Sechsfache der Indexerwartung.

Das Portfolioziel: 15% p.a.

Verdiq zielt auf 15% Jahresrendite im Musterdepot. Weil nicht jeder Titel diese Erwartung erfüllt — manche fallen aus, manche liefern weniger — müssen die Kaufkandidaten individuell mehr als 15% erwarten lassen. Der Puffer deckt Fehlentscheidungen ab ohne das Gesamtziel zu gefährden.

Ein KAUFEN-Urteil mit 12% Renditeerwartung (Extrem-teuer-Regime) heißt: Das ist das absolute Minimum. Die tatsächliche Erwartung liegt bei überzeugenden Kandidaten deutlich höher — die 12% sind die Zugangsschranke, nicht das Ziel.

Was passiert wenn kein Titel die Schwelle erreicht?

Verdiq kauft nicht. Das Depot bleibt in Cash.

Das ist keine Systemstörung. Im EXTREM_TEUER-Regime mit CAPE über 38 hat der MSCI World historisch auf Sicht von zehn Jahren real kaum Rendite geliefert. Wenn in diesem Umfeld kein Einzeltitel ein CRV von 2.5 und 12% Renditeerwartung vorweisen kann, ist Kasse halten die korrekte Antwort.

Cash ist im teuren Markt keine Passivität — es ist eine bewusste Positionierung gegen ein schlechtes Chance-Risiko-Verhältnis. Das Kapital ist verfügbar wenn bessere Gelegenheiten entstehen.

Der MSCI World als Messlatte — nicht als Feind

Verdiq konkurriert mit dem ETF. Nicht ideologisch, sondern rechnerisch. Jede Position die langfristig schlechter abschneidet als ein simpler MSCI World ETF war eine Fehlinvestition — egal wie überzeugend die Debate war.

Das ist der eigentliche Test des Systems. Nicht ob ein Titel gestiegen ist. Sondern ob er mehr gestiegen ist als der Index im gleichen Zeitraum.