Was ROE misst

Der Return on Equity (Eigenkapitalrendite) berechnet sich aus dem Jahresüberschuss geteilt durch das durchschnittliche Eigenkapital. Ein ROE von 15% bedeutet: Für jeden 100 Euro Eigenkapital erwirtschaftet das Unternehmen 15 Euro Gewinn.

Das ist eine Maßzahl für Kapitaleffizienz. Sie beantwortet nicht “Wie gut ist das Produkt?” sondern “Wie gut nutzt das Management das ihm anvertraute Kapital?”

Wie Verdiq ROE einsetzt

Im normalen Scoring hat ROE kein eigenes Gewicht. Er fließt indirekt ein — über die Margen (Nettomarge ist die Grundlage des ROE) und über die Qualitäts-Dislocation-Ausnahme.

Die Qualitäts-Dislocation-Ausnahme: Wenn ein Unternehmen das Umsatzwachstums-Minimum nicht erfüllt (unter 5%) und auch keine reine Bewertungsdislocation vorliegt, gibt es noch eine letzte Chance: Das Unternehmen muss einen ROE über 5% nachweisen. Das klingt niedrig — ist aber eine Mindestanforderung an echte Ertragskraft. Ein Unternehmen mit negativem oder nahe null liegenden ROE hat keine Basis für eine Dislocation-These. Es gibt schlicht nichts zu “entdecken”.

Was ROE verzerren kann

Der ROE hat eine bekannte Schwäche: Er steigt automatisch wenn ein Unternehmen Aktienrückkäufe durchführt oder sich verschuldet — weil beides das Eigenkapital reduziert. Apple hat seit Jahren einen sehr hohen ROE, nicht weil es ungewöhnlich profitabel ist, sondern weil es das Eigenkapital durch massive Rückkaufprogramme auf ein Minimum reduziert hat.

Deshalb ist ein isoliert hoher ROE für Verdiq kein Score-Treiber. Er wird als Mindestanforderung eingesetzt, nicht als Differenzierungsmerkmal. Die Qualität des Geschäftsmodells misst Verdiq primär über Margen und Free Cash Flow — beides ist schwerer zu optimieren als der ROE.