Bruttomarge: Die Qualität des Geschäftsmodells

Die Bruttomarge ist der Umsatz minus die direkten Produktionskosten (Cost of Goods Sold), geteilt durch den Umsatz. Sie misst wie viel von jedem verdienten Euro übrig bleibt bevor Vertrieb, Verwaltung, Forschung und Kapitalkosten abgezogen werden.

Eine hohe Bruttomarge bedeutet dass das Unternehmen ein strukturelles Preissetzungsrecht hat. Software-Unternehmen haben Bruttomargen von 70-90%, weil das Produkt einmal entwickelt und fast kostenlos repliziert wird. Einzelhändler haben Bruttomargen von 25-40%. Automobilhersteller von 10-20%.

Für Verdiq ist die Bruttomarge ein Thesis-Proxy beim Dislocation-Scoring — sie beantwortet die Frage: Hat dieses Unternehmen ein echtes strukturelles Fundament, oder ist die aktuelle Bewertung zufällig günstig?

Die Abstufungen:

Nettomarge: Was am Ende übrig bleibt

Die Nettomarge ist der Reingewinn geteilt durch den Umsatz. Sie berücksichtigt alle Kosten — inklusive Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Sie zeigt was ein Unternehmen tatsächlich für seine Aktionäre erwirtschaftet.

Beim Wachstums-Scoring (Typ B) kombiniert Verdiq Brutto- und Nettomarge:

Warum beide Kennzahlen nötig sind

Eine hohe Bruttomarge mit negativer Nettomarge bedeutet: Das Unternehmen hat ein gutes Produkt, aber verbrennt Geld für Wachstum. Das kann gerechtfertigt sein (frühe Wachstumsphase) oder nicht (strukturelle Ineffizienz).

Eine niedrige Bruttomarge mit akzeptabler Nettomarge bedeutet: Hochvolumen-Geschäftsmodell mit starker Kostendisziplin. Für Verdiq weniger interessant — die Preissetzungsmacht fehlt.

Zusammen geben beide Kennzahlen ein vollständigeres Bild als jede einzelne für sich.