Sechs Regime, sechs Spielregeln
Verdiq kennt sechs Marktregime, die ausschließlich vom aktuellen Shiller CAPE bestimmt werden. Der CAPE — Cyclically Adjusted Price-to-Earnings Ratio — misst, wie teuer der Markt gemessen an den inflationsbereinigten Durchschnittsgewinnen der letzten zehn Jahre ist:
- CRASH (CAPE unter 15): CRV-Schwelle 1.2 — der Markt ist günstig, Chancen überwiegen deutlich
- GÜNSTIG (CAPE 15–20): CRV-Schwelle 1.5 — attraktives Umfeld, erhöhte Kaufbereitschaft
- NORMAL (CAPE 20–27): CRV-Schwelle 1.5 — Standardbetrieb
- ERHÖHT (CAPE 27–35): CRV-Schwelle 2.0 — erhöhte Anforderungen
- TEUER (CAPE 35–38): CRV-Schwelle 2.2 — deutliche Zurückhaltung
- EXTREM_TEUER (CAPE über 38): CRV-Schwelle 2.5 — maximale Zurückhaltung
Das Regime wechselt nicht im Wochentakt. Der CAPE bewegt sich langsam — manchmal monatelang innerhalb desselben Regimes. Wenn er eine Schwelle überschreitet, ändert das die Spielregeln für alle folgenden Runs bis zur nächsten Grenzüberschreitung.
Warum die Schwelle nicht fix ist
Eine fixe CRV-Schwelle würde einen entscheidenden Kontext ignorieren: dass das Rückschlagrisiko bei hohen Gesamtbewertungen größer ist.
Bei CAPE unter 15 erholt sich ein Markt nach einem Rückschlag statistisch schnell. Bewertungen sind tief, institutionelle Investoren kaufen bei Korrekturen. Bei CAPE über 38 gibt es mehr Luft nach unten — und keine automatische Grundlage für schnelle Erholung.
Das bedeutet: Bei hohen Bewertungen muss eine einzelne Aktie mehr bieten, weil das allgemeine Umfeld weniger Sicherheitsmarge liefert. Verdiq passt die Anforderungen entsprechend an — nicht weil das Modell den Markt timen will, sondern weil es das Risikoprofil korrekt abbilden soll.
Warten ist eine aktive Entscheidung
Wochen ohne Kauf sind in TEUER- und EXTREM_TEUER-Phasen normal. Das ist kein Versagen des Modells — es ist das Modell, das korrekt auf das Marktumfeld reagiert.
Der häufigste Fehler den menschliche Investoren in teuren Märkten machen: aus Inaktivität Druck entstehen zu lassen. “Ich muss doch irgendwas kaufen.” Verdiq kennt diesen Druck nicht. Es kauft wenn die Zahlen passen — und nicht vorher.
Historisch war der CAPE über 38 in wenigen Ausnahmeperioden erreicht: der Dot-com-Blase und der Post-Covid-Erholung ab 2021. Wenn sich das Niveau normalisiert, weitet Verdiq automatisch die Kaufbereitschaft aus — ohne manuellen Eingriff.