Was den CAPE vom einfachen KGV unterscheidet

Das klassische Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) setzt den aktuellen Aktienkurs in Relation zum Gewinn der letzten zwölf Monate. Das Problem: Unternehmensgewinne schwanken stark, besonders in Rezessionen. Im Abschwung fallen Gewinne, das KGV steigt — und signalisiert fälschlicherweise “teuer” genau dann, wenn Aktien günstig werden.

Der Shiller CAPE (Cyclically Adjusted Price-to-Earnings Ratio), entwickelt vom Ökonomen Robert Shiller, löst das durch Glättung: Er setzt den aktuellen Kurs in Relation zu den inflationsbereinigten Gewinnen der letzten zehn Jahre. Zehn Jahre reichen aus, um Konjunkturzyklen zu glätten, ohne so weit in die Vergangenheit zu greifen, dass das Ergebnis irrelevant wird.

Das Ergebnis ist ein stabiler, langsamer Indikator. Nicht für Wochen — für Dekaden.

Wann war der CAPE zuletzt so hoch?

Ein CAPE über 30 gilt historisch als erhöht. Über 40 war er bisher nur zweimal: in der Dot-com-Blase 1999 bis 2001 und in den Jahren nach der Corona-Erholung ab 2021. Im Mai 2026 steht der CAPE bei 42.

Das bedeutet nicht, dass der Markt morgen fällt. Der CAPE ist kein Timing-Indikator. In den späten 1990ern lag er jahrelang über 40 — wer 1997 bei CAPE 30 “zu teuer” gesagt hat, hat drei weitere Boomjahre verpasst. Was der hohe CAPE sagt: die erwarteten Renditen auf Sicht von 10 bis 15 Jahren sind statistisch niedriger als bei einem CAPE von 15. Das ist ein Wahrscheinlichkeitsaussage, kein Versprechen.

Wie Verdiq den CAPE verwendet

Verdiq verwendet den CAPE nicht als Kauf- oder Verkaufsignal. Es verwendet ihn als Risikokalibrator.

Bei jedem Sonntags-Run bestimmt der aktuelle CAPE das Marktregime — und damit die CRV-Schwelle, die eine Aktie überschreiten muss, bevor das Modell kauft. Bei CAPE unter 15 (Crash-Regime) reicht ein Chance-Risiko-Verhältnis von 1.2. Bei CAPE über 35 (EXTREM_TEUER) muss eine Aktie CRV 2.5 aufweisen.

Die Logik: Je teurer der Markt insgesamt, desto mehr muss eine einzelne Aktie bieten — weil das allgemeine Rückschlagrisiko höher ist.

Was der CAPE nicht kann

Er kann nicht vorhersagen, wann ein Rückgang kommt. Wer das behauptet, versteht den Indikator nicht. Der CAPE beschreibt Bewertungsniveaus, keine Marktbewegungen.

Verdiq kommuniziert das offen: Bei CAPE 42 ist kein Kauf ein häufiges Ergebnis. Das ist keine Fehlfunktion — es ist das System das korrekt auf ein historisch seltenes Bewertungsniveau reagiert.


Quellen: Campbell, J.Y. & Shiller, R.J. (1988): Stock Prices, Earnings, and Expected Dividends. Journal of Finance 43(3) — Grundlagenpaper zur Vorhersagekraft des CAPE auf 10-Jahres-Horizont. — Shiller, R.J. (2000): Irrational Exuberance. Princeton University Press — historische CAPE-Zeitreihe und Bewertungsphasen. — Vanguard Research (2012): Forecasting Stock Returns: What Signals Matter, and What Do They Say Now? — CAPE als bester verfügbarer Rendite-Prädiktor vs. Alternativen.

Was der Quick-Screen bei CAPE 42 bedeutet

Wenn der CAPE über 38 liegt, schaltet Verdiq für Kandidaten mit einem unterdurchschnittlichen Quant-Score (unter 58 von 100) einen Haiku-Vorfilter vor. Das Modell bewertet die Aktie schnell — ohne vollständige Debate. Kommt der Haiku zu einem Meiden-Ergebnis, ist die Debate damit erledigt.

Das bedeutet nicht, dass bei CAPE 42 alles automatisch abgelehnt wird. Unternehmen mit starken Fundamentaldaten (Score ≥ 58) durchlaufen die vollständige Debate wie gewohnt — der Richter entscheidet am Ende. Der Quick-Screen greift nur bei schwachen Kandidaten in teuren Märkten: wenn die Zahlen schon ohne tiefe Analyse wenig überzeugen, spart das Haiku-Modell Rechenzeit und Kosten.

Der Score ist dabei der quantitative Gesamt-Score des Universe-Screens — ein Wert von 0 bis 100, der aus allen Kennzahlen (EV/EBITDA, Momentum, Insider Ownership, Margen, Wachstum etc.) berechnet wird. Ein Score unter 58 bedeutet: unterdurchschnittliche Fundamentaldaten im Vergleich zum Universum. In einem teuren Markt reicht das als Ausschlusssignal.